Bis zum Horizont und darüber hinaus

Ankuendigung Vortrag

Mit eindrucksvollen Bildern und bewegenden Worten schilderte Martin Daldrup in einem Vortrag, den er im Clubhaus des Kanu-Segel-Clubs Hemer e.V. hielt, über „Dramatische Stunden im Südatlantik“ die wohl prägendste Erfahrung seines Seglerlebens. Bekannt ist er vielen durch seine Segelyacht mJambo einer Bavaria 34 Holiday, mit der er bereits zahlreiche Törns unternommen hat. Doch was er an diesem Abend berichtete, ging weit über gewöhnliche Seefahrerabenteuer hinaus.

Die Kollision mitten im Ozean 

Auf seiner Reise von New York nach Kapstadt, mitten im Südatlantik kam es plötzlich zur Katastrophe: Eine Kollision mit einem unbekannten Gegenstand unter Wasser beschädigte seine Yacht schwer. Innerhalb kürzester Zeit wurde klar, dass das Schiff nicht zu retten war. Martin musste in die Rettungsinsel – ein Moment, der sein Leben veränderte.

Ruhig und sachlich schilderte er die Ereignisse. Seine Informationskette war klar strukturiert: Seine Partnerin Anke sowie ein enger Freund hielten über Satellitentelefon den Kontakt zu ihm und koordinierten die Informationen für Bremen Rescue. Doch trotz aller Organisation blieb die Ungewissheit – würde rechtzeitig Hilfe eintreffen?

20 Stunden zwischen Hoffnung und Erschöpfung 

Über 20 Stunden trieb Martin in seiner Rettungsinsel auf dem offenen Meer. Tagsüber brannte die Sonne erbarmungslos, nachts fiel die Temperatur drastisch. Wind und Wellen zehrten an seinen Kräften. Als er schließlich gerettet wurde, betrug seine Körpertemperatur nur noch 33 Grad – ein lebensbedrohlicher Zustand.

Besonders eindrucksvoll schilderte er den Moment der Rettung: Ein Frachter, der zuvor über Bremen Rescue informiert wurde, hatte sein Notsignal empfangen und näherte sich. Doch damit war die Gefahr noch nicht vorbei. Das Ergreifen der Strickleiter bei starkem Wellengang und mit stark unterkühltem Körper wurde zur letzten großen Herausforderung. Ein Besatzungsmitglied filmte die dramatische Aktion – Sequenzen daraus waren Teil des Vortrags und sorgten im Publikum für spürbare Spannung und Erleichterung zugleich.

Neubeginn nach dem Verlust 

Wer nun eine lange Phase der Resignation erwartet hätte, wurde eines Besseren belehrt. Martin berichtete, dass es nicht lange dauerte, bis ihn die Sehnsucht nach dem Meer erneut ergriff. In der Türkei fand er sein neues Segelboot eine Amel Mango 53. Ihr Name ist Programm: „Comeback“

Erste kleinere Segeltörns folgten, um Vertrauen und Routine zurückzugewinnen.

Bald wurden neue – und zugleich alte – Ziele gesteckt: Es geht wieder in Richtung Südafrika. Seine „Comeback“ liegt derzeit in Kapstadt. Noch im Februar wird Martin dorthin zurückkehren, um sein Boot für die nächste große Reise auszurüsten. Das Ziel steht bereits fest: Mauritius.

Mut, Vorbereitung und Leidenschaft

Der Vortrag war mehr als nur ein Erlebnisbericht. Er zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Vorbereitung, funktionierende Kommunikationsketten und mentale Stärke in Extremsituationen sind. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Leidenschaft und Entschlossenheit selbst einschneidende Erlebnisse überdauern können.

Martin Daldrup bewies an diesem Abend nicht nur seemännisches Können, sondern auch bemerkenswerte Offenheit. Seine Geschichte ist eine von Gefahr und Rettung, von Verlust und Neubeginn – und vor allem von der ungebrochenen Liebe zum Segeln und dem Meer.

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